Formel · Beschaffung & Lager
Bezugskalkulation (Einstandspreis)
Die Bezugskalkulation ermittelt, was eine eingekaufte Ware den Betrieb tatsächlich kostet: Vom Listenpreis des Lieferers werden Rabatt und Skonto abgezogen und die Bezugskosten addiert — das Ergebnis ist der Bezugs- oder Einstandspreis.
Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis
Rabatt vom Listenpreis, Skonto vom Zieleinkaufspreis. Beim quantitativen Angebotsvergleich gewinnt der niedrigste Bezugspreis je Einheit — nicht der niedrigste Listenpreis.
Bezugskalkulation berechnen: Beispiel und Rechner
Beispiel — gegeben: Listeneinkaufspreis 2.000,00 €, Liefererrabatt 10 %, Liefererskonto 2 %, Bezugskosten 85,00 €.
Rechenweg
- Rabatt: 2.000,00 € × 10 % = 200,00 €
- Zieleinkaufspreis: 2.000,00 € − 200,00 € = 1.800,00 €
- Skonto (vom Zieleinkaufspreis): 1.800,00 € × 2 % = 36,00 €
- Bareinkaufspreis: 1.800,00 € − 36,00 € = 1.764,00 €
- Bezugspreis: 1.764,00 € + 85,00 € Bezugskosten = 1.849,00 €
Ergebnis Bezugspreis (Einstandspreis) = 1.849,00 €
Typische Fehler bei Bezugskalkulation
- Skonto vom Listenpreis statt vom Zieleinkaufspreis berechnen — Skonto wird erst nach Abzug des Rabatts gerechnet.
- Bezugskosten (Fracht, Verpackung, Versicherung) vergessen oder schon vor dem Skonto addieren — sie kommen erst zum Bareinkaufspreis dazu.
- Beim Angebotsvergleich nur die Listenpreise vergleichen: Entscheidend ist der Bezugspreis je Einheit, weil Rabatt, Skonto und Fracht je Lieferer verschieden sind.
Wo Bezugskalkulation in der Prüfung vorkommt
Die Formel gehört zu Lernfeld 4: Sachgüter und Dienstleistungen beschaffen und Verträge schließen. Bedarf ermitteln, Bezugsquellen finden, Angebote vergleichen, rechtssicher bestellen und Störungen des Kaufvertrags bearbeiten.
In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 4 (Teil 1). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · Wirtschafts- & Sozialkunde.
Die Begriffe dazu
- Bezugskalkulation — das Schema
- Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten (Fracht, Verpackung, Versicherung) = Bezugspreis (Einstandspreis). Beispiel: 4.800 € − 15 % = 4.080 € − 2 % = 3.998,40 € + 120 € = 4.118,40 €.
- Pflichten aus dem Kaufvertrag (§ 433 BGB)
- Verkäufer: Sache übergeben und Eigentum verschaffen, frei von Sach- und Rechtsmängeln. Käufer: vereinbarten Kaufpreis zahlen und die Sache abnehmen. Erfüllungsgeschäft: Eigentum geht bei beweglichen Sachen durch Einigung und Übergabe über (§ 929 BGB).
- Eigentum vs. Besitz
- Eigentum = rechtliche Herrschaft über eine Sache (§ 903 BGB) — der Eigentümer darf darüber verfügen. Besitz = tatsächliche Herrschaft (§ 854 BGB). Beispiel: Die Kontorhaus Brandt GmbH vermietet einen Beamer — sie bleibt Eigentümerin, der Kunde wird Besitzer.
- Eigentumsvorbehalt — einfach, verlängert, erweitert
- Einfach: Die Ware bleibt bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum des Verkäufers (§ 449 BGB). Verlängert: Bei Weiterverkauf tritt der Käufer die Forderung gegen seinen Kunden im Voraus an den Verkäufer ab. Erweitert: Vorbehalt gilt, bis ALLE Forderungen aus der Geschäftsbeziehung bezahlt sind. Erlischt bei Verarbeitung, Verbrauch oder gutgläubigem Erwerb Dritter.
- AGB — wann werden sie Vertragsbestandteil?
- Gegenüber Verbrauchern nur bei ausdrücklichem Hinweis vor Vertragsschluss, zumutbarer Kenntnisnahme und Einverständnis (§ 305 BGB). Individuelle Absprachen haben Vorrang (§ 305b), überraschende Klauseln werden nicht Vertragsbestandteil (§ 305c), unwirksame Klauseln ersetzt das Gesetz — der übrige Vertrag bleibt gültig (§ 306). Unter Unternehmern gilt § 305 Abs. 2 nicht (§ 310 Abs. 1): Es genügt eine Einbeziehung nach allgemeinen Regeln, z. B. ein deutlicher Hinweis im Angebot.
Damit üben
Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 26 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:
- Bezugspreis für Kopierpapier kalkulieren
- Quantitativer Angebotsvergleich dreier Stuhllieferanten
- Lieferantenauswahl mit der Nutzwertanalyse
- Qualitative Kriterien im Angebotsvergleich
- Mindest- und Meldebestand für Verbrauchsmaterial
- Lagerumschlag und Lagerdauer berechnen
- Eingangsrechnung sachlich und rechnerisch prüfen
- Interne und externe Bezugsquellen unterscheiden
Verwandte Formeln
- Nutzwertanalyse
Nutzwert je Angebot = Σ (Gewichtung des Kriteriums × Punktwert) - Vorwärtskalkulation (Handel)
Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt = Listenverkaufspreis (netto) - Skonto-Effektivverzinsung
Skontosatz × 360 ÷ (Zahlungsziel − Skontofrist) - Meldebestand (Bestellpunkt)
Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit + Mindestbestand - Mindestbestand (Sicherheitsbestand)
Tagesverbrauch × Sicherheitszeit in Tagen - Durchschnittlicher Lagerbestand
(Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2 - Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer
Lagerumschlagshäufigkeit = Wareneinsatz ÷ Ø Lagerbestand; Ø Lagerdauer = 360 ÷ Lagerumschlagshäufigkeit
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für Bezugskalkulation?
Bezugskalkulation (Einstandspreis): Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis — Rabatt vom Listenpreis, Skonto vom Zieleinkaufspreis. Beim quantitativen Angebotsvergleich gewinnt der niedrigste Bezugspreis je Einheit — nicht der niedrigste Listenpreis.
Wie sieht ein Rechenbeispiel für Bezugskalkulation aus?
Gegeben: Listeneinkaufspreis 2.000,00 €, Liefererrabatt 10 %, Liefererskonto 2 %, Bezugskosten 85,00 €. Rechenweg: Rabatt: 2.000,00 € × 10 % = 200,00 €; Zieleinkaufspreis: 2.000,00 € − 200,00 € = 1.800,00 €; Skonto (vom Zieleinkaufspreis): 1.800,00 € × 2 % = 36,00 €; Bareinkaufspreis: 1.800,00 € − 36,00 € = 1.764,00 €; Bezugspreis: 1.764,00 € + 85,00 € Bezugskosten = 1.849,00 €. Ergebnis: Bezugspreis (Einstandspreis) = 1.849,00 €.
Welche Fehler passieren bei Bezugskalkulation häufig?
Skonto vom Listenpreis statt vom Zieleinkaufspreis berechnen — Skonto wird erst nach Abzug des Rabatts gerechnet. Bezugskosten (Fracht, Verpackung, Versicherung) vergessen oder schon vor dem Skonto addieren — sie kommen erst zum Bareinkaufspreis dazu. Beim Angebotsvergleich nur die Listenpreise vergleichen: Entscheidend ist der Bezugspreis je Einheit, weil Rabatt, Skonto und Fracht je Lieferer verschieden sind.
Wie sieht ein Praxisbeispiel für einen quantitativen Angebotsvergleich aus?
Die Kontorhaus Brandt GmbH braucht 40 Bürostühle. Angebot Sitzwerk Möbel AG: 289 € je Stück, 20 % Rabatt, 2 % Skonto, 180 € Fracht. Listenpreis 11.560 € − 2.312 € Rabatt = 9.248 € − 184,96 € Skonto = 9.063,04 € + 180 € = 9.243,04 € Bezugspreis, je Stuhl ≈ 231,08 €. Angebot B: 265 € je Stück, 8 % Rabatt, frei Haus, kein Skonto: 10.600 € − 848 € = 9.752 €, je Stuhl 243,80 €. Trotz höheren Listenpreises ist Sitzwerk um 12,72 € je Stuhl günstiger.
Wie kommt die Bezugskalkulation in der Prüfung Büromanagement vor?
Sie ist Kernstoff von Lernfeld 4 und damit von Teil 1 (Informationstechnisches Büromanagement): Angebote in Excel vergleichen, Bezugspreise mit Zellbezügen berechnen, das Ergebnis mit einer Nutzwertanalyse ergänzen und eine Bestellung schreiben. In der Wahlqualifikation „Einkauf und Logistikprozesse planen, koordinieren und durchführen“ ist sie auch Thema im Fachgespräch.
In welchem Lernfeld kommt Bezugskalkulation vor?
Die Formel gehört zu Lernfeld 4 „Sachgüter und Dienstleistungen beschaffen und Verträge schließen“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1).
Welche Formeln gehören noch zu Beschaffung & Lager?
Zum Bereich Beschaffung & Lager zählen außerdem: Nutzwertanalyse, Meldebestand (Bestellpunkt), Mindestbestand (Sicherheitsbestand), Durchschnittlicher Lagerbestand, Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer.
Rechnen statt nachschlagen
Eine Formel zu kennen ist das eine, sie unter Zeitdruck richtig anzuwenden das andere. Bei Büromausi übst du genau das — mit Aufgaben im Prüfungsformat, Musterlösungen und Simulationen mit IHK-Punktelogik. Der Einstieg ist kostenlos.
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