Formel · Verkaufskalkulation

Vorwärtskalkulation (Handel)

Die Vorwärtskalkulation im Handel rechnet vom Bezugspreis einer Ware über Handlungskosten, Gewinn, Kundenskonto und Kundenrabatt bis zum Listenverkaufspreis, zu dem die Ware angeboten wird.

Formel

Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt = Listenverkaufspreis (netto)

Handlungskosten und Gewinn vom Hundert (auf Bezugspreis bzw. Selbstkosten), Kundenskonto und Kundenrabatt im Hundert: Barverkaufspreis ÷ (1 − Skonto), Zielverkaufspreis ÷ (1 − Rabatt).

  • Lernfeld 3 · 1. Jahr
  • Lernfeld 10 · 3. Jahr
  • Prüfung: Teil 1 / Teil 2

Vorwärtskalkulation berechnen: Beispiel und Rechner

Beispiel — gegeben: Listeneinkaufspreis 80,00 €, Liefererrabatt 20 %, Liefererskonto 2 %, Bezugskosten 1,50 €, Handlungskostenzuschlag 30 %, Gewinnzuschlag 10 %, Kundenskonto 2 %, Kundenrabatt 10 %.

Rechenweg

  1. Zieleinkaufspreis: 80,00 € − 20 % Rabatt (16,00 €) = 64,00 €
  2. Bareinkaufspreis: 64,00 € − 2 % Skonto (1,28 €) = 62,72 €
  3. Bezugspreis: 62,72 € + 1,50 € Bezugskosten = 64,22 €
  4. Selbstkosten: 64,22 € + 30 % Handlungskosten (19,27 €) = 83,49 €
  5. Barverkaufspreis: 83,49 € + 10 % Gewinn (8,35 €) = 91,84 €
  6. Zielverkaufspreis (Skonto im Hundert): 91,84 € ÷ 0,98 = 93,71 €
  7. Listenverkaufspreis (Rabatt im Hundert): 93,71 € ÷ 0,9 = 104,12 €
  8. Kalkulationszuschlag: (104,12 € − 64,22 €) ÷ 64,22 € × 100 = 62,13 %

Ergebnis Listenverkaufspreis = 104,12 €

Typische Fehler bei Vorwärtskalkulation

  • Kundenskonto und Kundenrabatt vom Hundert aufschlagen statt im Hundert zu rechnen — sie beziehen sich auf den höheren Ziel- bzw. Listenverkaufspreis, also durch (1 − Satz) teilen.
  • Die Reihenfolge vertauschen: Erst Skonto (führt zum Zielverkaufspreis), dann Rabatt (führt zum Listenverkaufspreis).
  • Den Gewinnzuschlag auf den Bezugspreis statt auf die Selbstkosten beziehen.

Wo Vorwärtskalkulation in der Prüfung vorkommt

Die Formel gehört zu Lernfeld 3: Aufträge bearbeiten und Lernfeld 10: Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern. Kundenanfragen kundenorientiert bearbeiten, Angebote kalkulieren, Aufträge abwickeln und den Zahlungseingang überwachen.

In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 3 (Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · Kundenbeziehungsprozesse · Auftrag, Kunde & Personal · Kundenbeziehungsprozesse · Kaufmännische Steuerung.

Die Begriffe dazu

Pflichtangaben einer Rechnung (§ 14 Abs. 4 UStG)
Name und Anschrift von Leistendem und Empfänger · Steuernummer oder USt-IdNr. des Leistenden · Ausstellungsdatum · fortlaufende Rechnungsnummer · Menge und handelsübliche Bezeichnung · Zeitpunkt der Lieferung/Leistung · Nettoentgelt nach Steuersätzen getrennt und vereinbarte Entgeltminderungen (z. B. Skonto) · Steuersatz und Steuerbetrag bzw. Hinweis auf Steuerbefreiung.
Verkaufskalkulation (vorwärts) im Handel
Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto (im Hundert) = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt (im Hundert) = Listenverkaufspreis netto. Beispiel: 180 € + 25 % = 225 € + 10 % = 247,50 € ÷ 0,98 = 252,55 € ÷ 0,90 = 280,61 €.
Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor, Handelsspanne
Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis netto − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100. Kalkulationsfaktor = LVP ÷ Bezugspreis. Handelsspanne = (LVP − Bezugspreis) ÷ LVP × 100. Beispiel 180 € → 280,61 €: Zuschlag 55,9 %, Faktor 1,56, Spanne 35,85 %.
Rügepflicht beim Handelskauf (§ 377 HGB)
Gilt nur, wenn beide Seiten Kaufleute sind. Offene Mängel unverzüglich nach Ablieferung rügen, versteckte unverzüglich nach Entdeckung, sonst gilt die Ware als genehmigt und die Mängelrechte entfallen. Beim Verbrauchsgüterkauf genügt die Geltendmachung innerhalb der Gewährleistungsfrist.
E-Rechnung im B2B — die Fristen
Seit 01.01.2025 müssen alle inländischen Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Ausstellungspflicht: ab 01.01.2027 für Unternehmen mit mehr als 800.000 € Vorjahresumsatz, ab 01.01.2028 für alle. E-Rechnung = strukturiertes Format nach EN 16931 (XRechnung, ZUGFeRD ab 2.0.1) — ein PDF per Mail ist KEINE E-Rechnung. Ausgenommen: Kleinbetragsrechnungen bis 250 € und Fahrausweise.

Damit üben

Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 32 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:

  • Bindung an ein Angebot ohne Frist beurteilenMultiple Choice · Mittel
  • Listenverkaufspreis per Vorwärtskalkulation ermittelnRechnung · Schwer
  • Angebot aus einer Kundenanfrage kalkulierenRechnung · Schwer
  • Höchstzulässigen Bezugspreis rückwärts kalkulierenRechnung · Schwer
  • Gewinn per Differenzkalkulation prüfenRechnung · Mittel
  • Pflichtangaben einer Rechnung nach § 14 UStGMultiple Choice · Leicht
  • Kleinbetragsrechnung im Showroom ausstellenMultiple Choice · Mittel
  • Zahlungseingang mit Skontoabzug prüfenRechnung · Mittel

Verwandte Formeln

  • Bezugskalkulation (Einstandspreis)
    Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis
  • Rückwärtskalkulation
    Listenverkaufspreis − Kundenrabatt = Zielverkaufspreis − Kundenskonto = Barverkaufspreis − Gewinn = Selbstkosten − Handlungskosten = Bezugspreis (Obergrenze)
  • Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor
    Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100; Kalkulationsfaktor = Listenverkaufspreis ÷ Bezugspreis
  • Differenzkalkulation
    Gewinn = Barverkaufspreis − Selbstkosten; Gewinnzuschlag = Gewinn ÷ Selbstkosten × 100
  • Handelsspanne
    (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Listenverkaufspreis × 100
  • Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto
    Umsatzsteuer = Nettobetrag × 19 ÷ 100; Rechnungsbetrag = Nettobetrag + Umsatzsteuer; Überweisungsbetrag = Rechnungsbetrag − Rechnungsbetrag × Skontosatz ÷ 100

Häufige Fragen

Wie lautet die Formel für Vorwärtskalkulation?

Vorwärtskalkulation (Handel): Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt = Listenverkaufspreis (netto) — Handlungskosten und Gewinn vom Hundert (auf Bezugspreis bzw. Selbstkosten), Kundenskonto und Kundenrabatt im Hundert: Barverkaufspreis ÷ (1 − Skonto), Zielverkaufspreis ÷ (1 − Rabatt).

Wie sieht ein Rechenbeispiel für Vorwärtskalkulation aus?

Gegeben: Listeneinkaufspreis 80,00 €, Liefererrabatt 20 %, Liefererskonto 2 %, Bezugskosten 1,50 €, Handlungskostenzuschlag 30 %, Gewinnzuschlag 10 %, Kundenskonto 2 %, Kundenrabatt 10 %. Rechenweg: Zieleinkaufspreis: 80,00 € − 20 % Rabatt (16,00 €) = 64,00 €; Bareinkaufspreis: 64,00 € − 2 % Skonto (1,28 €) = 62,72 €; Bezugspreis: 62,72 € + 1,50 € Bezugskosten = 64,22 €; Selbstkosten: 64,22 € + 30 % Handlungskosten (19,27 €) = 83,49 €; Barverkaufspreis: 83,49 € + 10 % Gewinn (8,35 €) = 91,84 €; Zielverkaufspreis (Skonto im Hundert): 91,84 € ÷ 0,98 = 93,71 €; Listenverkaufspreis (Rabatt im Hundert): 93,71 € ÷ 0,9 = 104,12 €; Kalkulationszuschlag: (104,12 € − 64,22 €) ÷ 64,22 € × 100 = 62,13 %. Ergebnis: Listenverkaufspreis = 104,12 €.

Welche Fehler passieren bei Vorwärtskalkulation häufig?

Kundenskonto und Kundenrabatt vom Hundert aufschlagen statt im Hundert zu rechnen — sie beziehen sich auf den höheren Ziel- bzw. Listenverkaufspreis, also durch (1 − Satz) teilen. Die Reihenfolge vertauschen: Erst Skonto (führt zum Zielverkaufspreis), dann Rabatt (führt zum Listenverkaufspreis). Den Gewinnzuschlag auf den Bezugspreis statt auf die Selbstkosten beziehen.

Wie sieht ein Praxisbeispiel für die Vorwärtskalkulation aus?

Die Kontorhaus Brandt GmbH bezieht einen Schreibtisch der Tischform GmbH zum Bezugspreis von 412,00 €. Handlungskosten 35 %: Selbstkosten 556,20 €. Gewinn 12 % (66,74 €): Barverkaufspreis 622,94 €. Kundenskonto 2 % im Hundert: 622,94 € ÷ 0,98 = 635,65 € Zielverkaufspreis. Kundenrabatt 10 % im Hundert: 635,65 € ÷ 0,90 = 706,28 € Listenverkaufspreis netto.

Wo kommt die Vorwärtskalkulation in der Prüfung Büromanagement vor?

Sie gehört zu Lernfeld 3 (Aufträge bearbeiten) und kann in Teil 1 als Excel-Kalkulationsschema mit Zellbezügen gefordert sein, in Teil 2 als Angebotskalkulation für einen Kundenauftrag. Häufig wird anschließend nach dem Kalkulationszuschlag oder dem Kalkulationsfaktor gefragt.

In welchem Lernfeld kommt Vorwärtskalkulation vor?

Die Formel gehört zu Lernfeld 3 „Aufträge bearbeiten“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 „Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).

Welche Formeln gehören noch zu Verkaufskalkulation?

Zum Bereich Verkaufskalkulation zählen außerdem: Rückwärtskalkulation, Differenzkalkulation, Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor, Handelsspanne, Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto.

Rechnen statt nachschlagen

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