Formel · Verkaufskalkulation
Handelsspanne
Die Handelsspanne gibt an, wie viel Prozent des Listenverkaufspreises (netto) auf Handlungskosten, Gewinn, Kundenskonto und Kundenrabatt entfallen — also den Unterschied zwischen Verkaufs- und Bezugspreis, bezogen auf den Verkaufspreis.
(Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Listenverkaufspreis × 100
Gleicher Euro-Betrag wie beim Kalkulationszuschlag, aber bezogen auf den Verkaufspreis. Rückwärts: Bezugspreis = Listenverkaufspreis × (1 − Handelsspanne ÷ 100).
Typische Fehler bei Handelsspanne
- Durch den Bezugspreis statt durch den Listenverkaufspreis teilen — das ergibt den Kalkulationszuschlag.
- Mit Bruttopreisen inklusive Umsatzsteuer rechnen; Bezugs- und Verkaufspreis müssen netto sein.
- Rückwärts den Bezugspreis mit + Handelsspanne statt mit × (1 − Handelsspanne) berechnen.
Wo Handelsspanne in der Prüfung vorkommt
Die Formel gehört zu Lernfeld 3: Aufträge bearbeiten und Lernfeld 10: Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern. Kundenanfragen kundenorientiert bearbeiten, Angebote kalkulieren, Aufträge abwickeln und den Zahlungseingang überwachen.
In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 3 (Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · Kundenbeziehungsprozesse · Auftrag, Kunde & Personal · Kundenbeziehungsprozesse · Kaufmännische Steuerung.
Die Begriffe dazu
- Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor, Handelsspanne
- Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis netto − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100. Kalkulationsfaktor = LVP ÷ Bezugspreis. Handelsspanne = (LVP − Bezugspreis) ÷ LVP × 100. Beispiel 180 € → 280,61 €: Zuschlag 55,9 %, Faktor 1,56, Spanne 35,85 %.
- Rabatt, Skonto, Bonus — der Unterschied
- Rabatt: sofortiger Preisnachlass bei Vertragsschluss (Mengen-, Treue-, Wiederverkäufer-, Sonderrabatt). Skonto: Nachlass für Zahlung innerhalb der Skontofrist (z. B. 2 % in 10 Tagen, 30 Tage netto). Bonus: nachträgliche Vergütung, wenn ein Jahresumsatz erreicht wurde.
- Kundenauftrag — vom Eingang bis zum Zahlungseingang
- Anfrage prüfen → Angebot → Bestellung prüfen (Bonität, Liefertermin, Lagerbestand) → Auftragsbestätigung → Kommissionieren und Versenden mit Lieferschein → Rechnung → Zahlungseingang überwachen (Offene-Posten-Liste) → ggf. Mahnung. Jeder Schritt wird im Warenwirtschafts- bzw. ERP-System dokumentiert.
- Kaufmännisches (außergerichtliches) Mahnverfahren
- Gesetzlich nicht geregelt, betriebsindividuell: Zahlungserinnerung (freundlich, Kopie der Rechnung) → 1. Mahnung (bestimmter, ggf. mit Mahnkosten) → 2./letzte Mahnung mit Fristsetzung und Androhung des gerichtlichen Mahnverfahrens. Ziel: Geld erhalten UND den Kunden behalten. Rechtlich ist schon die erste eindeutige Zahlungsaufforderung nach Fälligkeit eine Mahnung (auch wenn sie „Zahlungserinnerung“ heißt) und setzt den Schuldner in Verzug, falls er nicht schon ohne Mahnung im Verzug ist.
- Offene-Posten-Überwachung (Debitoren)
- Die OP-Liste zeigt alle unbezahlten Ausgangsrechnungen mit Fälligkeit. Regelmäßig prüfen: Welche Posten sind fällig, welche überfällig, wurde Skonto unberechtigt abgezogen? In Excel z. B. Tage überfällig =HEUTE()-Fälligkeitsdatum und Status per WENN. Frühes Mahnen sichert Liquidität.
Damit üben
Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 32 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:
- Bindung an ein Angebot ohne Frist beurteilen
- Listenverkaufspreis per Vorwärtskalkulation ermitteln
- Angebot aus einer Kundenanfrage kalkulieren
- Höchstzulässigen Bezugspreis rückwärts kalkulieren
- Gewinn per Differenzkalkulation prüfen
- Pflichtangaben einer Rechnung nach § 14 UStG
- Kleinbetragsrechnung im Showroom ausstellen
- Zahlungseingang mit Skontoabzug prüfen
Verwandte Formeln
- Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor
Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100; Kalkulationsfaktor = Listenverkaufspreis ÷ Bezugspreis - Rückwärtskalkulation
Listenverkaufspreis − Kundenrabatt = Zielverkaufspreis − Kundenskonto = Barverkaufspreis − Gewinn = Selbstkosten − Handlungskosten = Bezugspreis (Obergrenze) - Umsatzrentabilität
Gewinn ÷ Umsatzerlöse × 100 - Vorwärtskalkulation (Handel)
Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt = Listenverkaufspreis (netto) - Differenzkalkulation
Gewinn = Barverkaufspreis − Selbstkosten; Gewinnzuschlag = Gewinn ÷ Selbstkosten × 100 - Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto
Umsatzsteuer = Nettobetrag × 19 ÷ 100; Rechnungsbetrag = Nettobetrag + Umsatzsteuer; Überweisungsbetrag = Rechnungsbetrag − Rechnungsbetrag × Skontosatz ÷ 100
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für Handelsspanne?
Handelsspanne: (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Listenverkaufspreis × 100 — Gleicher Euro-Betrag wie beim Kalkulationszuschlag, aber bezogen auf den Verkaufspreis. Rückwärts: Bezugspreis = Listenverkaufspreis × (1 − Handelsspanne ÷ 100).
Welche Fehler passieren bei Handelsspanne häufig?
Durch den Bezugspreis statt durch den Listenverkaufspreis teilen — das ergibt den Kalkulationszuschlag. Mit Bruttopreisen inklusive Umsatzsteuer rechnen; Bezugs- und Verkaufspreis müssen netto sein. Rückwärts den Bezugspreis mit + Handelsspanne statt mit × (1 − Handelsspanne) berechnen.
Wie sieht ein Praxisbeispiel für die Handelsspanne aus?
Schreibtisch der Kontorhaus Brandt GmbH: Listenverkaufspreis 706,28 €, Bezugspreis 412,00 €. Handelsspanne: (706,28 € − 412,00 €) ÷ 706,28 € × 100 ≈ 41,67 %. Rückwärts: Bei einem Marktpreis von 650 € und derselben Spanne darf der Bezugspreis höchstens 650 € × (1 − 0,4167) = 650 € × 0,5833 ≈ 379,15 € betragen.
Wie hängen Handelsspanne und Kalkulationszuschlag zusammen?
Handelsspanne = Kalkulationszuschlag ÷ (100 + Kalkulationszuschlag) × 100. Ein Zuschlag von 71,43 % entspricht also einer Spanne von rund 41,67 %. Ist der Verkaufspreis vorgegeben, führt die Handelsspanne schneller zum Bezugspreis, ist der Bezugspreis vorgegeben, der Kalkulationszuschlag zum Verkaufspreis.
Wie wird die Handelsspanne in der Prüfung Büromanagement abgefragt?
In Teil 2 (Lernfeld 3 und 10) als Kennzahl der Handelskalkulation: aus Bezugs- und Verkaufspreis berechnen, in den Kalkulationszuschlag umrechnen oder für eine Rückwärtsrechnung bei vorgegebenem Marktpreis nutzen. In Teil 1 lässt sie sich als Excel-Formel mit absolutem Bezug auf die Spanne umsetzen.
In welchem Lernfeld kommt Handelsspanne vor?
Die Formel gehört zu Lernfeld 3 „Aufträge bearbeiten“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 „Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).
Welche Formeln gehören noch zu Verkaufskalkulation?
Zum Bereich Verkaufskalkulation zählen außerdem: Vorwärtskalkulation (Handel), Rückwärtskalkulation, Differenzkalkulation, Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor, Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto.
Rechnen statt nachschlagen
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