Formel · Verkaufskalkulation
Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor
Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor fassen alle Aufschläge zwischen Bezugspreis und Listenverkaufspreis zusammen — der Zuschlag als Prozentsatz vom Bezugspreis, der Faktor als Multiplikator, mit dem der Bezugspreis in einem Schritt zum Listenverkaufspreis wird.
Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100; Kalkulationsfaktor = Listenverkaufspreis ÷ Bezugspreis
Kalkulationsfaktor = 1 + Kalkulationszuschlag ÷ 100. Damit wird aus jedem Bezugspreis in einem Schritt der Listenverkaufspreis (netto): Bezugspreis × Kalkulationsfaktor.
Typische Fehler bei Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor
- Den Zuschlag auf den Listeneinkaufspreis statt auf den Bezugspreis beziehen.
- Kalkulationszuschlag und Handelsspanne verwechseln: Beide arbeiten mit demselben Eurobetrag, der Zuschlag bezieht ihn auf den Bezugspreis, die Spanne auf den Verkaufspreis.
- Den Faktor zu grob runden: 1,71 statt 1,7143 verfälscht bei teuren Artikeln den Preis um mehrere Euro.
Wo Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor in der Prüfung vorkommt
Die Formel gehört zu Lernfeld 3: Aufträge bearbeiten und Lernfeld 10: Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern. Kundenanfragen kundenorientiert bearbeiten, Angebote kalkulieren, Aufträge abwickeln und den Zahlungseingang überwachen.
In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 3 (Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Abschlussprüfung Teil 1 · Kundenbeziehungsprozesse · Auftrag, Kunde & Personal · Kundenbeziehungsprozesse · Kaufmännische Steuerung.
Die Begriffe dazu
- Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor, Handelsspanne
- Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis netto − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100. Kalkulationsfaktor = LVP ÷ Bezugspreis. Handelsspanne = (LVP − Bezugspreis) ÷ LVP × 100. Beispiel 180 € → 280,61 €: Zuschlag 55,9 %, Faktor 1,56, Spanne 35,85 %.
- Rückwärts- und Differenzkalkulation
- Rückwärts: vom Marktpreis zum höchstmöglichen Bezugspreis — Rabatt und Skonto abziehen (vom Hundert), Gewinn und Handlungskosten herausrechnen (bei 10 % Gewinn ÷ 1,10, bei 25 % Handlungskosten ÷ 1,25). Differenz: Bezugs- und Verkaufspreis stehen fest, gesucht ist der Gewinn. Beispiel: 300 € − 10 % − 2 % = 264,60 € − Selbstkosten 225 € = 39,60 € Gewinn (17,6 %).
- Rabatt, Skonto, Bonus — der Unterschied
- Rabatt: sofortiger Preisnachlass bei Vertragsschluss (Mengen-, Treue-, Wiederverkäufer-, Sonderrabatt). Skonto: Nachlass für Zahlung innerhalb der Skontofrist (z. B. 2 % in 10 Tagen, 30 Tage netto). Bonus: nachträgliche Vergütung, wenn ein Jahresumsatz erreicht wurde.
- Kundenauftrag — vom Eingang bis zum Zahlungseingang
- Anfrage prüfen → Angebot → Bestellung prüfen (Bonität, Liefertermin, Lagerbestand) → Auftragsbestätigung → Kommissionieren und Versenden mit Lieferschein → Rechnung → Zahlungseingang überwachen (Offene-Posten-Liste) → ggf. Mahnung. Jeder Schritt wird im Warenwirtschafts- bzw. ERP-System dokumentiert.
- Kaufmännisches (außergerichtliches) Mahnverfahren
- Gesetzlich nicht geregelt, betriebsindividuell: Zahlungserinnerung (freundlich, Kopie der Rechnung) → 1. Mahnung (bestimmter, ggf. mit Mahnkosten) → 2./letzte Mahnung mit Fristsetzung und Androhung des gerichtlichen Mahnverfahrens. Ziel: Geld erhalten UND den Kunden behalten. Rechtlich ist schon die erste eindeutige Zahlungsaufforderung nach Fälligkeit eine Mahnung (auch wenn sie „Zahlungserinnerung“ heißt) und setzt den Schuldner in Verzug, falls er nicht schon ohne Mahnung im Verzug ist.
Damit üben
Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 32 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:
- Bindung an ein Angebot ohne Frist beurteilen
- Listenverkaufspreis per Vorwärtskalkulation ermitteln
- Angebot aus einer Kundenanfrage kalkulieren
- Höchstzulässigen Bezugspreis rückwärts kalkulieren
- Gewinn per Differenzkalkulation prüfen
- Pflichtangaben einer Rechnung nach § 14 UStG
- Kleinbetragsrechnung im Showroom ausstellen
- Zahlungseingang mit Skontoabzug prüfen
Verwandte Formeln
- Vorwärtskalkulation (Handel)
Bezugspreis + Handlungskosten = Selbstkosten + Gewinn = Barverkaufspreis + Kundenskonto = Zielverkaufspreis + Kundenrabatt = Listenverkaufspreis (netto) - Handelsspanne
(Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Listenverkaufspreis × 100 - Bezugskalkulation (Einstandspreis)
Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis - Rückwärtskalkulation
Listenverkaufspreis − Kundenrabatt = Zielverkaufspreis − Kundenskonto = Barverkaufspreis − Gewinn = Selbstkosten − Handlungskosten = Bezugspreis (Obergrenze) - Differenzkalkulation
Gewinn = Barverkaufspreis − Selbstkosten; Gewinnzuschlag = Gewinn ÷ Selbstkosten × 100 - Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto
Umsatzsteuer = Nettobetrag × 19 ÷ 100; Rechnungsbetrag = Nettobetrag + Umsatzsteuer; Überweisungsbetrag = Rechnungsbetrag − Rechnungsbetrag × Skontosatz ÷ 100
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor?
Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor: Kalkulationszuschlag = (Listenverkaufspreis − Bezugspreis) ÷ Bezugspreis × 100; Kalkulationsfaktor = Listenverkaufspreis ÷ Bezugspreis — Kalkulationsfaktor = 1 + Kalkulationszuschlag ÷ 100. Damit wird aus jedem Bezugspreis in einem Schritt der Listenverkaufspreis (netto): Bezugspreis × Kalkulationsfaktor.
Welche Fehler passieren bei Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor häufig?
Den Zuschlag auf den Listeneinkaufspreis statt auf den Bezugspreis beziehen. Kalkulationszuschlag und Handelsspanne verwechseln: Beide arbeiten mit demselben Eurobetrag, der Zuschlag bezieht ihn auf den Bezugspreis, die Spanne auf den Verkaufspreis. Den Faktor zu grob runden: 1,71 statt 1,7143 verfälscht bei teuren Artikeln den Preis um mehrere Euro.
Wie sieht ein Praxisbeispiel für Kalkulationszuschlag und -faktor aus?
Ein Schreibtisch hat bei der Kontorhaus Brandt GmbH einen Bezugspreis von 412,00 € und einen Listenverkaufspreis von 706,28 €. Kalkulationszuschlag: (706,28 € − 412,00 €) ÷ 412,00 € × 100 ≈ 71,43 %. Kalkulationsfaktor: 706,28 € ÷ 412,00 € ≈ 1,7143. Ein ähnlicher Schreibtisch mit 380 € Bezugspreis kostet damit 380 € × 1,7143 ≈ 651,43 € netto.
Warum ist der Kalkulationsfaktor in der Prüfung nützlich?
Wenn für mehrere Artikel mit denselben Zuschlagssätzen kalkuliert wird, spart der Faktor das ganze Schema: Bezugspreis × Faktor = Listenverkaufspreis. In Teil 1 lässt er sich als absoluter Bezug in Excel nutzen, z. B. =B2*$F$1.
In welchem Lernfeld kommt Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor vor?
Die Formel gehört zu Lernfeld 3 „Aufträge bearbeiten“ (1. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 1 / Teil 2) und Lernfeld 10 „Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).
Welche Formeln gehören noch zu Verkaufskalkulation?
Zum Bereich Verkaufskalkulation zählen außerdem: Vorwärtskalkulation (Handel), Rückwärtskalkulation, Differenzkalkulation, Handelsspanne, Rechnungsbetrag mit Umsatzsteuer und Skonto.
Rechnen statt nachschlagen
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