Formel · Liquidität & Finanzierung

Liquiditätsgrade

Die Liquiditätsgrade zeigen, zu wie viel Prozent die kurzfristigen Verbindlichkeiten an einem Stichtag gedeckt sind: durch flüssige Mittel (1. Grad), zusätzlich kurzfristige Forderungen (2. Grad) und zusätzlich Vorräte (3. Grad).

Formel

1. Grad = flüssige Mittel ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100; 2. Grad = (flüssige Mittel + kurzfr. Forderungen) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100; 3. Grad = (flüssige Mittel + kurzfr. Forderungen + Vorräte) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100

Lehrbuch-Richtwerte: 1. Grad ca. 20 %, 2. Grad ca. 100 %, 3. Grad 120–200 %. Stichtagswerte aus der Bilanz — für die laufende Steuerung dient der Liquiditätsplan.

  • Lernfeld 9 · 3. Jahr
  • Prüfung: Teil 2

Liquiditätsgrade berechnen: Beispiel und Rechner

Beispiel — gegeben: Zahlungsmittel 80.000,00 €, Kurzfristige Forderungen 260.000,00 €, Kurzfristige Verbindlichkeiten 300.000,00 €.

Rechenweg

  1. Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen: 80.000,00 € + 260.000,00 € = 340.000,00 €
  2. 340.000,00 € ÷ 300.000,00 € × 100 = 113,33 %

Ergebnis Liquidität 2. Grades = 113,33 %

Mindestens 100 %: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind durch Geld und kurzfristige Forderungen gedeckt.

Typische Fehler bei Liquiditätsgrade

  • Die Grade vermischen: Vorräte gehören erst in den 3. Grad, Forderungen ab dem 2. Grad.
  • Langfristige Verbindlichkeiten in den Nenner nehmen.
  • Die Kennzahl als dauerhaft gültig ansehen — sie ist eine Stichtagsbetrachtung aus der Bilanz; die laufende Zahlungsfähigkeit sichert der Liquiditätsplan.

Richtwert: Wann sind die Liquiditätsgrade gut?

Als Lehrbuch-Faustregeln gelten etwa 20 % für den 1. Grad, rund 100 % für den 2. Grad und 120–200 % für den 3. Grad. Deutlich darunter droht ein Engpass, wenn mehrere Rechnungen gleichzeitig fällig werden; deutlich darüber liegt womöglich Geld ungenutzt auf dem Konto. Feste Grenzen sind das nicht — maßgeblich sind Branche und Zahlungsgewohnheiten.

Wo Liquiditätsgrade in der Prüfung vorkommt

Die Formel gehört zu Lernfeld 9: Liquidität sichern und Finanzierung vorbereiten. Zahlungen abwickeln, Liquidität planen, Forderungen sichern und Finanzierungsalternativen vergleichen.

In der Abschlussprüfung gehört das zum Stoff von Lernfeld 9 (Teil 2). Aufbau und Inhalte der Prüfungsbereiche: Kundenbeziehungsprozesse · Kaufmännische Steuerung.

Die Begriffe dazu

Karten- und Online-Bezahlverfahren
Debitkarte (girocard, Debit-Visa/Mastercard): Belastung zeitnah vom Girokonto. Kreditkarte: Sammelabrechnung später, für Händler höhere Gebühren. Online: Wallets/Bezahldienste, Kauf auf Rechnung, Lastschrift. Für Händler zählen Gebühren, Zahlungsgarantie und Kundenakzeptanz; für Kunden Komfort und Käuferschutz.
Liquiditätsplanung — Aufbau
Anfangsbestand an Zahlungsmitteln + erwartete Einzahlungen (Kundenzahlungen) − erwartete Auszahlungen (Lieferanten, Gehälter, Miete, Steuern, Tilgung) = Endbestand je Monat. Zeigt frühzeitig Unterdeckungen → Gegenmaßnahmen: Forderungen schneller einziehen, Zahlungsziele nutzen, Kontokorrentkredit, Factoring. Liquidität geht vor Rentabilität.
Verzugszinsen berechnen (§ 288 BGB)
Verbraucher: 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz; Geschäft zwischen Unternehmen: 9 Prozentpunkte darüber plus 40 € Pauschale. Basiszinssatz Stand 01.07.2026: 1,52 % → B2B 10,52 %. Zinsen = Kapital × Zinssatz × Tage ÷ (100 × 360): 12.000 € × 10,52 × 30 ÷ 36.000 = 105,20 €. Den Basiszinssatz passt die Bundesbank halbjährlich an.
Gerichtliches Mahnverfahren — Ablauf
Antrag auf Mahnbescheid (online) beim zentralen Mahngericht → Zustellung an den Schuldner, der zahlt oder binnen 2 Wochen widerspricht (→ auf Antrag streitiges Gerichtsverfahren). Ohne Widerspruch: Antrag auf Vollstreckungsbescheid → Einspruch binnen 2 Wochen möglich, sonst vollstreckbarer Titel → Zwangsvollstreckung (Gerichtsvollzieher, Pfändung). Die Zustellung des Mahnbescheids hemmt die Verjährung.
Kreditarten — Kontokorrent, Darlehen, Lieferantenkredit
Kontokorrentkredit: Kreditlinie auf dem Geschäftskonto, flexibel, aber teuer — für kurzfristige Engpässe. Darlehen: fester Betrag, feste Laufzeit — Ratendarlehen (gleiche Tilgung, sinkende Rate), Annuitätendarlehen (gleiche Rate), Fälligkeitsdarlehen (Tilgung am Ende). Lieferantenkredit: Zahlungsziel statt Skonto — meist die teuerste Variante.

Damit üben

Zu diesem Lernfeld liegen im Trainer 11 Aufgaben mit Musterlösung bereit — ein Ausschnitt:

  • Merkmale der SEPA-EchtzeitüberweisungMultiple Choice · Leicht
  • Verzugszinsen mit aktuellem Basiszinssatz berechnenRechnung · Mittel
  • Skontoausnutzung mit Kontokorrentkredit und EffektivzinsRechnung · Schwer
  • Gerichtliches Mahnverfahren: der nächste SchrittMultiple Choice · Mittel
  • Liquiditätsplan für das vierte QuartalRechnung · Mittel
  • Leasing oder Kreditkauf für den FuhrparkOffen · Mittel
  • Kreditvergleich: Fälligkeits- und AbzahlungsdarlehenRechnung · Schwer
  • Kosten und Liquiditätseffekt des FactoringsRechnung · Mittel

Verwandte Formeln

Häufige Fragen

Wie lautet die Formel für Liquiditätsgrade?

Liquiditätsgrade: 1. Grad = flüssige Mittel ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100; 2. Grad = (flüssige Mittel + kurzfr. Forderungen) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100; 3. Grad = (flüssige Mittel + kurzfr. Forderungen + Vorräte) ÷ kurzfr. Verbindlichkeiten × 100 — Lehrbuch-Richtwerte: 1. Grad ca. 20 %, 2. Grad ca. 100 %, 3. Grad 120–200 %. Stichtagswerte aus der Bilanz — für die laufende Steuerung dient der Liquiditätsplan.

Wie sieht ein Rechenbeispiel für Liquiditätsgrade aus?

Gegeben: Zahlungsmittel 80.000,00 €, Kurzfristige Forderungen 260.000,00 €, Kurzfristige Verbindlichkeiten 300.000,00 €. Rechenweg: Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen: 80.000,00 € + 260.000,00 € = 340.000,00 €; 340.000,00 € ÷ 300.000,00 € × 100 = 113,33 %. Ergebnis: Liquidität 2. Grades = 113,33 %.

Welche Richtwerte gelten für die Liquiditätsgrade?

Als Lehrbuch-Faustregeln gelten etwa 20 % für den 1. Grad, rund 100 % für den 2. Grad und 120–200 % für den 3. Grad. Deutlich darunter droht ein Engpass, wenn mehrere Rechnungen gleichzeitig fällig werden; deutlich darüber liegt womöglich Geld ungenutzt auf dem Konto. Feste Grenzen sind das nicht — maßgeblich sind Branche und Zahlungsgewohnheiten.

Welche Fehler passieren bei Liquiditätsgrade häufig?

Die Grade vermischen: Vorräte gehören erst in den 3. Grad, Forderungen ab dem 2. Grad. Langfristige Verbindlichkeiten in den Nenner nehmen. Die Kennzahl als dauerhaft gültig ansehen — sie ist eine Stichtagsbetrachtung aus der Bilanz; die laufende Zahlungsfähigkeit sichert der Liquiditätsplan.

Wie sieht ein Praxisbeispiel für die Liquiditätsgrade aus?

Bilanz der Kontorhaus Brandt GmbH am 31.12.: flüssige Mittel 310.000 €, kurzfristige Forderungen 1.150.000 €, Vorräte 1.480.000 €, kurzfristige Verbindlichkeiten 1.400.000 €. 1. Grad: 310.000 € ÷ 1.400.000 € × 100 ≈ 22,14 %. 2. Grad: 1.460.000 € ÷ 1.400.000 € × 100 ≈ 104,29 %. 3. Grad: 2.940.000 € ÷ 1.400.000 € × 100 = 210 %.

Wie kommen die Liquiditätsgrade in der Prüfung Büromanagement vor?

In Teil 2 als Instrument der kaufmännischen Steuerung (Lernfeld 9): Grade aus einer Bilanz berechnen, mit Richtwerten vergleichen und Maßnahmen ableiten, etwa Forderungsmanagement, Factoring oder Abbau von Lagerbeständen. In der Wahlqualifikation „Instrumente der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle nutzen“ auch im Fachgespräch.

In welchem Lernfeld kommt Liquiditätsgrade vor?

Die Formel gehört zu Lernfeld 9 „Liquidität sichern und Finanzierung vorbereiten“ (3. Ausbildungsjahr, Prüfungsbereich Teil 2).

Welche Formeln gehören noch zu Liquidität & Finanzierung?

Zum Bereich Liquidität & Finanzierung zählen außerdem: Skonto-Effektivverzinsung, Effektivzins eines Kredits (vereinfacht), Leasing oder Kreditkauf (Kostenvergleich).

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